Über publizist

Selbständiger Autor, Regisseur, Produzent für Fernsehen, Radio, Online, Print. Kommunikationstrainer und Coach im Rentenalter aber nicht im Ruhestand

Jugend ohne rote Sonne

30 Jahre sind es, dass die kommunistischen #Politbürokraten in China den Widerstand der demokratischen Opposition blutig niederschlugen. Das Regime von Xi Jinping, dem neuen „Großen Vorsitzenden“ in der Nachfolge von Mao Zedong will das vergessen machen. Er wird scheitern.

Eigensinn verpflichtet!

Tiel von "Chinakinder"Wem gehört die Zukunft in China, Hongkong, Taiwan?

Dieses Buch verdient jede Empfehlung. Schon deshalb, weil es die großartigen Romane von Liao Yiwu dokumentarisch ergänzt, weil es obendrein Leser erreicht, die mit chinesischen Traditionen, mit Geschichte und Kultur des Landes noch wenig vertraut sind. Sonja Maaß und Jörg Endriss haben 30 junge Chinesen auf ihren Reisen porträtiert, befragt, und ihre höchst unterschiedlichen Selbstauskünfte zu Alltagserfahrungen, Wünschen, Hoffnungen und zur großen Politik aufgeschrieben. Sie haben nicht nur die unter Mao Zedong und Deng Xiao Ping geprägte „Volksrepublik“ der Kommunistischen Partei, sondern auch die 1999 von der britischen Krone aus kolonialer Bindung entlassene „Sonderverwaltungszone“ Hongkong und die „abtrünnige Provinz“ Taiwan erkundet. Das ist schon deshalb spannend, weil die historisch höchst unterschiedlich gewachsenen politischen Verhältnisse heute denselben Prozessen globaler Wirtschaft unterworfen sind, Peking eine gewaltige Übermacht hat, Hongkong und Taiwan gleichwohl selbstbewusst auf kommunistischen Dominanzanspruch reagieren.

Jedes einzelne der Kurzporträts ist lesenswert, weil…

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Liebeserklärung für eine Musikerin

Aus einem Konzert der polnischen
Akademia Filmu i Telewizji

Wie gerne schrieb ich alle meine Träume
Und Wünsche in ein einziges Gedicht
Für Dich. Doch könnte ich es, fändest Du es nicht.
Zu eng, zu fern sind unserer beider Räume.

Was Liebe werden will, muss sich entgrenzen
Muss Universum sein, und sich verlieren
und aneinander klammernd seine Schwere spüren
Kernkraft und dunkle Energie und alle Divergenzen.

Dafür lässt uns Geschäftigkeit nicht einen Takt
Nanosekunden scharf gestellter Uhren
Wir rechnen Liebesaugenblicke aus wie Huren
Glück wird in Freizeitfolie eingepackt.

Doch spielst du – fremde Liebste – Sinfonien
Im Kreis beglückter, hingegebener Meister
Schau ich in Dein Gesicht, entfliehen
Die hässlichen, vom Alltagszwang beherrschten Geister.
Hör ich Dir zu, ist es wie mit Dir tanzen
Mein Leben wird erwünscht, erträumt zum Ganzen.

Lebenskrise im Wochenbett



Wenn eine Mutter ihr Neugeborenes nicht lieben, nicht annehmen kann, ist das ein schwerer Konflikt. Er macht manche Frauen krank an Leib und Seele.
Gibt es Hilfe?
Stefanie Dittebrandt, Journalistin, hat den Mut gefunden, die Geschichte ihrer eigenen Ängste und Nöte in einem Hörfunkfeature in der Sendereihe SWR 2 „Leben“ zu thematisieren.
Die Autorin hatte selbst eine frühe Kindheit ohne Liebe erfahren. Aber einfache kausale Zusammenhänge erklären solche Krisen nicht, sie entlasten die Mutter auch nicht von Depressionen. Ärztliche Hilfe ist unentbehrlich.
Die Heilung beginnt eigentlich mit der wirklichen Interaktion zwischen Mutter und Kind, mit physischem Kontakt, mit Fürsorge und der Reaktion darauf – dazu braucht es viel Geduld und Unterstützung aus der Familie, nötigenfalls von Psychologen, bis zur Heilung. Leistungsdruck erweist sich als schweres Hindernis; er erhöht das Risiko von Depressionen.

Traumsterben

Felsen in Baden-Baden

Steter Tropfen höhlt den Stein ...


„Meine Liebste“, presste Gustav Horbel heraus, „jeder sieht, dass wir beide unzufrieden sind. Vielleicht liebst Du mich so wie ich Dich, vielleicht sogar noch mehr, wir wünschen uns beide nichts inniger, als miteinander glücklich zu werden. Was uns daran hindert, sind in Deinen Augen meine Unzulänglichkeiten, ich aber bin nicht mit Dir unzufrieden, sondern mit der Welt. Das ist schlimm, weil Du in dieser Welt zufrieden leben könntest, gäbe es nur meine Unzulänglichkeiten nicht. Du müsstest mich erziehen. Ich liebe Dich. Mir würde nie einfallen, Dich erziehen zu wollen. Aber ich will auch nicht von Dir erzogen werden.“
(Aus Kapitel 2 im „Raketenschirm“)

Siegertyp

Aus einer Annonce in der „B.Z.am Abend“, Ostberlin Ende August 1985:

„Achtung! Torsten, 22/182, dkl.-blond, s. sportl., s. schlk., ehemal. Leistungssportler (Leichtathlet), m.-l. WA [bedeutet marxistisch-leninistische Weltanschauung – I.S.], künftiger Schauspielstudent, selbst., aufrichtiger, s. feinfühliger, expressiver romantischer Berliner, recht unkompliziert, unbed. zuverlässig, ehrlich, s. humorvoll, unabhängig, unternehmungslustig, willensfest! – sucht s. freundschaftl., zuverläss. u. sympathischen, soliden, gleichinteressiernden, persönl. wietumfassenden Briefwechsel(zwichen Anfang/Mitte 20 bis Mitte/Ende 30jährig bevorzugt!) – Interessen: Leichtathletik, Wassersport, Tennis, Reiten, Medizin, militär. Berufe, klassische und rockige moderne Musik, zudem besonders Theater/Film, Kino, Kunst, gute Bücher, Porträtfotogr., Fotografik, Natur, Reisen/Autotouristik u.v.a.m. Warte auf ernstgemeinte, aussagekräftige Antwort, (Chiffre … )“

Wer hätte da nicht zugreifen wollen – bei so einem makellos perfekten Romeo aus der Kaderschmiede … Sowas gab’s nur im „real existierenden Sozialismus“.

Seltsame Texte

Es war 1985. Mein Versuch, ein Off-Theater in Ostberlin, damals Hauptstadt der DäDäÄrr zu gründen, war von der Behörde verboten worden.
Im Tagebuch vom 29. Juli steht:

„Das Gefühl ABSOLUTER SCHUTZLOSIGKEIT als einziger Beleg (und Preis) für moralische Integrität – wie lange hält man das aus?
Entsetzlich: dieses Verwundern der Leute, dass man nicht konform geht, dass man nicht bereit ist, den Preis für Wohlstand und Erfolg zu zahlen. Sie achten – respektieren – nur den ERFOLGREICHEN Künstler, nicht den Künstler. Sie nehmen, was sie zur Selbstbestätigung brauchen und bemerken nicht den Selbstbetrug. (Wie sich unsere Gesellschaft in ihren Elitekünstlern selbst betrügt). Was für eine Verantwortung für die wirklich Großen: Widerstand über jede Koketterie hinaus!

Das ist – Kernfragen des Buches vorwegnehmend – ein Kommentar besonderer Art zu Tellkamps „Turm“. Und dann fragt sich der nach Hinauswürfen und Verboten zur Untätigkeit Verurteilte, was bleibt:

„Das Wenige, das ich mir auferlege, ist meiner Angst geschuldet, …, die Konfrontation suchen, um nicht vereinnahmt zu werden, …, Leiden, um unempfindlich zu werden (wie unempfindlich bin ich schon?).“
Aber dann steht da mit roter Tinte:
„Verweigerung als die bequeme Möglichkeit, sein Teil Schuld nicht tragen zu müssen?“
Was für eine bizarre Frage angesichts der Tatsache, dass die an Brutalitäten und Rechtsbrüchen Schuldigen jener Jahre sich erfolgreich ihrer Verantwortung entzogen!

Ende der Depression

Titel des Buches von Noe

Wegzeichen der Philosophie


Manchmal scheint einem, als fielen die wichtigen Publikationen über einen her – genau dann, wenn man ihrer am meisten bedarf.
Ein Auftrag zu einem Feature von einer Redakteurin des SWR war mit dem Hinweis auf Alva Noes „Du bist nicht Dein Gehirn“ verbunden; das Buch erwies sich als hochintelligente Fortführung philosophischer Diskurse, die sowohl in „Der menschliche Kosmos“ Denkanstöße sind, wie auch als Gedankenexperimente in „Babels Berg“ auftauchen, wo der Physiker Anton Fürbringer ihnen nachgeht.
Dann kam vom Verlag als Rezensionsexemplar Ines Geipels „Seelenriss“ ins Haus. Die Stärke dieser Autorin ist, Geschichte und die strukturierenden Muster von Sozialverhalten in lebendiges Miterleben zurückzuführen; ihre Berichte von der „Volkskrankheit Depression“, deren pandemisches Wachstum jede Schweine- oder Vogelgrippe zum Hühnerauge der Medizinhistorie schrumpft, sind packende Beweise für die Auffassung „Der Körper in seiner unablässigen, untrennbaren Interaktion mit der Welt ist die Seele“. Ja. Und Krankheiten der Seele sind Krankheiten der Welt.
Buchcover

Mehr als ein Thema für die Pharmaforschung

Die teuren Toten

Im „Spiegel“ war zu lesen, wie ein in Afghanistan von fanatischen Moslems getöteter junger Mann aus Bayern in seinem Heimatort geehrt wurde: Sein Name ward dem örtlichen Denkmal der Gefallenen zweier Weltkriege hinzugefügt.
Das ist insofern eine angemessene Würdigung, als dem Soldaten kriegerisches Heldentum zu bescheinigen ist. Es gehört jedenfalls Mut dazu, sich den Wahnvorstellungen todesverachtender Fanatiker – egal welcher Glaubensrichtung – entgegenzustellen. In Deutschland betätigen sich solche Fanatiker (noch) nicht offen. Das Problem: Obwohl in Deutschland historisch belastet, bleibt „heldenhaftes“ Verhalten immer noch die von der Massenkultur tagtäglich als wünschenswert und sozial hochwertig verkaufte Option. Der Afghanistan-Krieg aber ist der Mehrheit unerwünscht. Wer den einen ein Held, ist den anderen ein Abscheu. Der Fall Sarrazin beweist , dass es vom Helden zum Sündenbock nur ein sehr kleiner Schritt ist – und wie diese Rollen korrespondieren.
In der Thüringischen Stadt Suhl hat die DäDäÄrr-Administration in den siebziger Jahren das Denkmal für die Gefallenen von 1914 bis 1918 abgeräumt. Es sollte keine Helden außer Kommunisten geben. Der politisch korrekte Held war erfunden.
Ein toter Bundeswehr-Soldat aus Suhl, gefallen in Afghanistan, würde vermutlich versteckt werden auf dem Friedhof, als sei der Tod dieses Menschen trennbar von der Geschichte aller Völker dieser Welt, als sei das Prinzip „Gewalt Macht Lust“ irgendwie nach Nationen, Religionen, Parteiungen sortierbar. Als sei DäDäDäÄrrr friedlich gewesen, weil sie Kriegerdenkmale abräumte.

Anfang mit Siebenschläfer

Der neue Roman will geschrieben sein. Er will ankommen im Hier und Heute, er wird sich vier Jahrzehnte Erfahrenes einverleiben, weil Träume niemals altern und weil sie die Energie der Erfahrung aufzehren müssen. Glauben mag das wer will –  hier ein Pröbchen.

Bilch am Regal

Bilche sind die hübscheren Nager

Ein silberner Ballon hängt im Blassblau, Sticker am Seidenshirt des  Sommertages, der sich bald zum Rekordsommertag heißlaufen wird. Gustav  Horbel träumt sich hinauf in den Korb, wo es noch kühl sein muss morgens  um 7. Er sähe von dort die Rheinebene vorm Schwarzwald, die Autobahn  nach Basel, den Strom, die Türkise neben Kieswerken; Türkise im Kiesel.  Er kieste die Tür, er kürte den Diesel, hatte den öffentlichen Diesel  erkoren für den Weg zum Bahnhof der Bäderstadt, die Liebste durfte  weiterschlafen, „musst nicht aufstehen, hab kaum Gepäck, träum noch ’n  bisschen“, ein Küsschen, trauliches Ritual, entzückende Schläfrigkeit,  die sich räkelt in der Wärme am noch kühlen Morgen, dem heiß der Julitag  folgen wird, den Siebenschläferrekord zu brechen: Sonne, sieben Wochen  lang, und eine Rekordpopulation an Siebenschläfern dazu – allerdings nur  in Osnabrück, so war im Internet zu lesen, nirgendwo sonst. In  Osnabrück tauchten Tausende der wegen ihrer Seltenheit geschützten  Bilche auf im Rekordsommer, zeigten ungeniert die buschigen Schwänze,  spukten auf Dachböden, erschreckten eine um Haus und Garten besorgte  Alte, die nix weiter getan hatte, als ihre Rosen mit Bananen zu düngen.

„Na“, sprach missingsch der Mann vom Veterinäramt im Webvideo, „kein  Wunder, dass das die Bilche anzieht, die sind verrückt nach Bananen“,  und zeigte einen im Gitterkäfig gefangenen vor, er werde ihn nun  aussetzen im Wald, 20 Kilometer entfernt. Das Video zeigte, wie ein gar  nicht schläfriger Siebenschläfer den Stamm einer Buche umrundete, noch  einmal den Arm des Fängers aufsuchte, vielleicht eine Abschiedsbanane  erheischend. Gustav erinnerte sich, wie die Kraft der Bananen 20 Jahre  zuvor geholfen hatte, ein Staatswesen einstürzen zu lassen, stete Banane  höhlt den Sozialismus, wie ein Mann namens Krause die Zukunft von  Ananas und Bananen für alle beschworen und einen Vertrag unterzeichnet  hatte, der den Preis der Dosenananas zum Argument einer gesamtdeutschen  Staatsgründung erhob. Der Mann war wenig später aus der Politik  verschwunden, billige Bananen und Ananas aber waren geblieben, so  billig, dass in Osnabrück, wohl auch in Wittenberg Beete damit gedüngt  werden konnten, den Bilchen zur Freude.

Gustav, wie stets um störende Einwände nicht verlegen, sah in der  Tatsache, dass wieder eine Spezies die Scheu vorm Menschen abgelegt, als  dessen putziger Kostgänger das Über-Leben in der Stadt dem Er-Leben von  Freiheit in der Wildnis vorgezogen hatte, nur eine verschobene  Gefährdung der Dickschwänze: „Fürsorge schafft Bedürftigkeit“, dachte  er, und dass nun die Bilche, natürlicher Fertigkeiten zum Nahrungserwerb  entwöhnt, Zivilisationskrankheiten erliegen würden, ihnen künftighin  Fettleibigkeit statt Füchsen – das Video hatte wirklich fette Bilche  gezeigt! – infektiöse Katzenflöhe statt Uhus den Garaus machten. Die  Siebenschläfer hatten die sichere Versorgung der Freiheit vorgezogen; ob  das Aussterben der bedrohten Tierart dadurch beschleunigt wurde, war  eine interessante Frage.

Neue Seite – neue Projekte

Mit dem neuen Roman werde ich auch ein neues publizistisches Konzept versuchen: Ein Blog, das den Fortschritt beim Verfassen des Buches kommentiert, verworfene, dennoch mitteilenswerte Ideen enthält, Konflikte und Krisen erlebbar macht – und überwinden hilft.
Also: lassen wir einen Workshop für Autoren entstehen.