Ins Offene

IMG_20160404_165226_1Jeden Jahres Wunder geschieht wieder, und ich kann niemals genug davon haben. Wenn einer als Kind das Glück hatte, so viel Zeit wie möglich im Freien zu verbringen, die Zauber der sich wandelnden Natur zu schauen, alle Farben, Klänge, Gerüche der Landschaften aufzunehmen und sich tief mit dem Augenblick zu verbinden, dann mag er niemals davon lassen, wird immer wieder aufs Neue vom vermeintlich Vertrauten überrascht. 

Noch ein Frühlingsgedicht? Ja. Jeder Lenz ist – so oft sich aus Dreck, Wasser, Sonnenlicht Milliarden Blätter, Blüten, Myzelien bilden – ein anderer. Bilde ich mir ein, dass die Vögel schreien vor Lust und Glück? Mag sein. Ich lasse mich einfach anstecken.

Frühlingstag. Libellenflug.
Flirrend tilgt mit Blau und Grün
Laue Luft den längsten Winter
Nie sind Eis und Schnee genug
Nie muss Hoffnung sich bemühn.
Frühling findet uns als Kinder
Sonne zählt nicht ihre Tage
Gras fragt nicht wie lang es bleibt
Nicht die Blüte, was sie treibt
Nicht mein Mund, warum ich klage.
Deine Küsse werden Flüge
In die schwimmenden Pastelle.
Lachend fallen Vogelzüge
In des Jahres grüne Welle.

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Frühlingsnacht

Big-eared-townsend-fledermaus

Frühlingsnacht. Die Fledermaus
Flattert im dämmrigen Hof.
Kellerluft und Straßenbraus
Treiben sie aus gärenden Wipfeln
Falter taumelt zum Schwof
Zu Lampen und Blüten
Zum süßen Verein
Taumelt in mein Fenster herein.
Frühlingsnacht. Die Fledermaus
Irrt im dämmrigen Hof.
Lautloser Tanz, unhörbarer Schrei
Unbemerkt ist ein Leben vorbei
Zwischen Lampen und Blüten
Gab den Falter ich frei
Zu seinem letzten Schwof.
Das Fenster ist offen. Im süßen Verein
Treiben und taumeln wir zwei.