Wie Wolken weiter ziehen

2012-11-08 15.57.22

Mit dem “Raketenschirm” ist die Romantrilogie “Wolkenzüge” abgeschlossen – aber der Stoff deutsch-deutscher Konflikterfahrung vor und nach dem Fall der Mauer längst nicht ausgeschöpft. Außer den Romanen “Blick vom Turm”, “Babels Berg” und “Raketenschirm” sind Theaterstücke, Erzählungen, Gedichte, Essays, Radiofeatures und Tagebücher entstanden: allesamt keine Texte zur “Vergangenheitsbewältigung”, sondern vergnügliche, widerspenstige, überraschende Versuche, sich auf die Welt von heute und morgen einzulassen – und zwar gemeinsam mit allen, die ihre Wünsche, Träume, Ängste, Erfahrungen mit denen des Autors vergleichen wollen.

Dafür eignet sich ein Weblog, wo Postings und Kommentare den direkten Dialog ermöglichen. Seien Sie willkommen, zögern Sie nicht, Ihre Meinungen, Ideen, Vorschläge hier einzubringen.

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Gustav Horbel und das Überschreiten von Grenzen

Teil 1 der Weblesung zu “Babels Berg”

Im November 1969 macht der Physikstudent Gustav Horbel seltsame Beobachtungen auf einer Fahrt mit der S-Bahn zwischen Berlin-Lichtenberg und Alexanderplatz. Er beginnt, über die Absichten hinter Landkarten nachzudenken.

Wenn sie Lust auf mehr haben – hier kommt die Fortsetzung:

Teil 2 der Weblesung zu “Babels Berg”

Falls Sie interessiert wie’s einem Währungsspekulanten in Ostberlin gehen konnte, dann sehen Sie sich Teil 3 an.

Ein Berliner Währungsspekulant

Währungsspekulanten gibt’s nur im Kapitalismus, klar. Das weiß der Sozialist. Gustav Horbel, Physikstudent, wurde vor Weihnachten 1969 mitten im Sozialismus eines anderen belehrt – er glaubt seither alles Mögliche, aber nicht mehr an Knecht Ruprecht, selbst wenn er in Gestalt von La Wafonknecht erscheint.
Text aus „Babels Berg“, Teil 2 der Romantrilogie „Wolkenzüge“

Eintrag im Gipfelbuch von „Babels Berg“

Die Germanistin Dominique Wendland-Stindel kennt sich, da sie aus Frankreich kommt, in der deutschen wie französischen Literatur aus; unser Gedankenaustausch bei „Leben Lesen“ und im freundschaftlichen Kreis ist äußerst anregend. Aus ihrer Feder hätte ich auch scharfe Kritik zu meinen Romanen dankbar entgegen genommen. Umso mehr hat mich gefreut, dass sie „Babels Berg“ mit Vergnügen gelesen hat.
Soviel sei nur verraten : Sennewalds „Babels Berg“ ist viel, viel mehr als die (erwartete) Schilderung einer Jugend in der DDR der 60er und 70er Jahre. Es sind die beispielhaften, mal umwerfend komischen, mal bedrückenden, aber immer mitreißenden Lehrjahre eines neuartigen Candide namens Gustav Horbel. Er, der Physikstudent in Ostberlin, ist Zeuge und Akteur einer Fülle von Ereignissen und Entwicklungen, die ihn – und uns Leser – manchmal bis zu der Frage bringen könnten, ob die Welt ( nun ja, die damalige … ) doch nicht etwa eine Scheibe sein könnte. Eine sich ewig drehende oder ins Unendliche fliegende, versteht sich.

Mit welcher Chuzpe der Physiker Sennewald für den Augenblick eines folgenschweren Diskuswurfs die Naturgesetze ausser Kraft setzt, ist eines Mikhail Bulgakow oder eines Georges Méliès würdig. Und auch der „Überhorbel“ als freudscher Schutzengel sei hier erwähnt als ein Beispiel für die vielen augenzwinkernden Jubelmomente, die den Leser reichlich belohnen.

Sollte ein Kinoliebhaber – etwa aufgrund des Titels – einen Rückblick auf die berühmte Potsdamer Filmfabrik erwarten, so wird er hier Anderes, aber auch viel Besseres finden – nämlich ein filmreifes Drehbuch in der Gestalt eines sprachlich eleganten Romans : verblüffende Bildmetaphern, spritzige Dialoge, skurrile bis hinreißende Akteure, einen temporeichen Szenenwechsel, einen hintergründigen, niemals menschenverachtenden Humor. Dem Autor ist ein erstaunlicher Grenzgang , nicht nur zwischen Ost und West, sondern zwischen Fiktion und Realität, Dichtung und Naturwissenschaft, Satire und Information glänzend gelungen. Diese fulminante “ Raumzeitreise“ durch Ost- und Westberlin um 1970 – und weit darüber hinaus – ist eine große Lesefreude, die ich jedem empfehlen kann.

Dankeschön für Hilde

Beim Unterricht mit Schauspielstudenten

Hilde Buchwald an der Berliner Schauspielschule


Als ich für SWR 2 „Leben“ mein Feature „Das leibliche Gedächtnis – wie unser Körper sich erinnert“ produzierte, verdankte ich einiges Hintergrundwissen, vor allem aber eigene Körpererfahrung meiner Bewegungslehrerin am Regieinstitut in den Jahren 1975 bis 1978. Hildegard Buchwald-Wegeleben erweckte in uns Studenten Körpergefühl und Körperbewusstsein. Dass unsere Erinnerung – vor allem die an soziale Interaktion – tief verwurzelt ist und sich durch die Arbeit des Schauspiels auf eindrucksvolle Weise eine eigene Welt auf der Bühne und im Film erschafft, habe ich erst viel später verstanden. Heute führt diese Erkenntnis zu völlig neuen Möglichkeiten in der Psychotherapie.
An solchen Entwicklungen sind immer viele Menschen beteiligt, wenige prägen sich so nachdrücklich ein wie Hilde. Sie half mir auch, die psychische Konstitution zu entwickeln, mit denen ich Konflikte – etwa nach dem „Fall Biermann“ – am Rande der Exmatrikulation überstand. Am Ende des Jahres 2010, da mit „Babels Berg“ auch Gustav Horbels Weg zum Theater veröffentlicht ist, sage ich Hilde noch einmal von Herzen Dankeschön.

Traumsterben

Felsen in Baden-Baden

Steter Tropfen höhlt den Stein ...


„Meine Liebste“, presste Gustav Horbel heraus, „jeder sieht, dass wir beide unzufrieden sind. Vielleicht liebst Du mich so wie ich Dich, vielleicht sogar noch mehr, wir wünschen uns beide nichts inniger, als miteinander glücklich zu werden. Was uns daran hindert, sind in Deinen Augen meine Unzulänglichkeiten, ich aber bin nicht mit Dir unzufrieden, sondern mit der Welt. Das ist schlimm, weil Du in dieser Welt zufrieden leben könntest, gäbe es nur meine Unzulänglichkeiten nicht. Du müsstest mich erziehen. Ich liebe Dich. Mir würde nie einfallen, Dich erziehen zu wollen. Aber ich will auch nicht von Dir erzogen werden.“
(Aus Kapitel 2 im „Raketenschirm“)

Worauf ich mich freue …

Der Verlag macht wieder ein schönes Hardcover – Teil zwei der Reihe.

Aufstiege und Abstürze

babelsbergcovMondlicht und Hexenwerk …
..wieso Männer und Frauen perfekt nicht zueinander passen

Die abenteuerliche Zeit des „Wandels durch Annäherung“

Alles ist möglich: Menschen landen auf dem Mond, zwischen West- und Ostberlin kann man wieder telefonieren, ein Diskus fliegt kilometerweit, ein Deutscher bekommt den Friedensnobelpreis, in einer Thüringer Kleinstadt gibt es das europaweit beste Japan-Restaurant: Anfang der 70er Jahre sprechen viele Zeichen für Aufbruch, Fortschritt – und unbegrenztes Vergnügen bei erotischen Abenteuern jenseits der Familienplanung.

Gustav Horbel aus Lauterberg ist in der Hauptstadt Berlin gelandet, um Physik zu studieren, denn er ist sehr neugierig darauf, was die Welt im Innersten zusammenhält. In Berlins Straßen, in Bars und Theatern, im Thüringer Wald und in den Reichsbahnzügen dazwischen lernt er dann viel mehr darüber als in Labors und Hörsälen. Während er mit Prüfungen an der Universität wenig Scherereien hat, macht er in den Prüfungen des Lebens keine besonders gute Figur, er will einfach zu hoch hinaus. Ob das am Geist dieser 70er Jahre liegt, in denen alles möglich scheint?

Zwischen Traum, Wahn und Wirklichkeit stolpert Gustav durch eine bewegte Zeit. Gott sei Dank nimmt ihn immer wieder jemand bei der Hand, manchmal ein berühmter Mann, manchmal die schönste Frau der Welt.

Probelesen können Sie jetzt schon, „Babels Berg“ erscheint im Herbst 2010 im Salier Verlag Leipzig

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